Zigarren und Rum aus Kuba, die online bestellt werden, können jetzt nicht mehr mit PayPal bezahlt werden. Grund dafür ist eine Sperre, die von PayPal selbst eingeführt wurde; der Finanzdienstleister fühlt sich dem amerikanischen Recht verpflichtet und versucht daher, das Embargo gegen Kuba aus dem Jahre 1962 ebenfalls im Online-Handel durchzusetzen, indem er Konten von Onlineshops sperrt, die die vom Embargo betroffenen Artikel anbieten. Daher hat bardealer.de, ein Online-Händler aus Bayern, der ebenfalls von PayPal gesperrt worden ist, nun eine einstweilige Verfügung gegen diese Sperre beim Landgericht Traunstein beantragt.

Am 31. Oktober soll eine Entscheidung fallen. Dabei wird das Gericht auch die Frage klären müssen, ob die Gesetze der USA zum Kuba-Embargo auch in Deutschland Anwendung finden. Es wird sich damit auseinandersetzen müssen, ob nicht etwa dem amerikanischen Recht genüge getan wäre, wenn lediglich bei kubanischen Produkten die PayPal-Option deaktiviert werde oder ob für den deutschen Online-Händler überhaupt das amerikanische Recht gilt. Fraglich ist auch, ob es PayPal verboten werden kann, deutschen Online-Händlern den Dienst zu verweigern und so das US-Recht  durchzusetzen.

Von dieser Vorgehensweise sind jedoch nicht nur Spezialhändler betroffen, die kubanische Artikel anbieten, sondern auch unter anderem die Drogerie-Kette Rossmann. Rossmann hatte von PayPal eine Aufforderung erhalten, innerhalb von drei Tagen sämtliche Produkte aus Kuba aus dem Online-Angebot zu entfernen, doch will man sich nicht von PayPal sein Produktangebot diktieren lassen und wird sich zur Wehr setzen. Die erste Maßnahme war die Beendigung der Zusammenarbeit mit PayPal. Unterstützt werden betroffene Händler u.a. vom Netzwerk Cuba aus Berlin, das PayPal dazu auffordert, "nicht länger als Online-Rambo" aufzutreten.

Kleinere Internetshops, wie etwa bardealer.de haben bisher zwischen 70 und 80 Prozent ihres Umsatzes über PayPal abgewickelt und würden durch eine Durchsetzung des Kuba-Embargos im Internethandel erhebliche Einbußen erleiden.

Berichten zufolge geht Paypals Mutterkonzern eBay geht sogar noch einen Schritt weiter, und hat mehrere eBay-Shops komplett gesperrt und PayPal Guthaben von Händlern eingefroren, die bisher über die deutsche Plattform eBay.de kubanische Artikel, insbesondere Zigarren und Rum verkauft hatten. Derzeit wird eine Sammelklage der betroffenen Händler gegen eBay vorbereitet. Man habe nicht vor, sich amerikanische Embargos gegen Dritte in Deutschland aufzwingen zu lassen.

Ebay selbst verstößt durch seine Vorgehensweise gegen geltendes EU-Recht, insbesondere gegen die EU-Blocking-Regulation. Nach dieser EU-Richtlinie, die aufgrund des US-Embargos gegen Kuba erlassen worden ist, ist es europäischen Unternehmen untersagt, das Embargo zu befolgen. Bei einem Verstoß drohen empfindliche Strafen seitens der EU.

Bemerkenswert an diesem Skandal ist, dass nach Auskünften von Online-Händlern immer mehr Kunden sich den kubanischen Rum, statt der US-Rummarke bevorzugen. PayPal handelte im Übrigen nach eigener Auskunft nach den Anweisungen der eBay-Konzernzentrale in den USA.